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Theresia Raberger: Alles ist ein Leben

Eine Rezension von Margrit Irgang

Schwester Theresia Raberger ist ungewöhnlich: Franziskaner-Nonne, Zen-Priesterin, Mystikerin, Heilpädagogin und Tierschützerin. Nach Jahrzehnten der Arbeit für schwer erziehbare Jugendliche, Prostituierte und Drogenabhängige leitet sie heute die Tierschutzstelle im Felsentor, dem Meditationshaus, das Zenmeister Vanja Palmers in der Schweiz gegründet hat. In diesem Buch erzählt sie der edition steinrich-Verlegerin Ursula Richard, wie sie dorthin gekommen ist, warum ihr Tiere so am Herzen liegen und wie sie ihr Christentum in Einklang bringt mit dem Zen.

In der Genesis heißt es: "Als die Menschen noch verbunden waren mit Gott, sprachen sie auch geschwisterlich mit den Tieren." Natürlich entschied sich die junge Theresia Raberger für den Orden des Heiligen Franziskus, der so innig mit den Tieren lebte. Mit der Kirche und den vorgeschriebenen Ritualen hatte sie dann aber doch ihre Probleme. Erst bei den christlichen Mystikern fand sie, was sie unbewusst gesucht hatte: die Ganzheit, in der Gott nicht mehr außerhalb des Menschen lebt. Und dann begegnete ihr das Zen: "Sonst war so viel Theologie, Interpretation und Vermittlung zwischen mir und dem Göttlichen, aber im Zen ist der Weg so kurz, von Angesicht zu Angesicht, von Herz zu Herz."

Besonders sind auch die Tiere, die im Felsentor leben. Wir lernen Anton, den Hausschweineber, kennen, der einem Paar zur Hochzeit geschenkt wurde, das sich aber nicht überwinden konnte, ihn als Schnitzel auf dem Teller wiederzufinden. Oder das blinde, taube und gehbehinderte Schwein Babuschka, dem es guttut, gebürstet zu werden, weil das seinen Kreislauf in Schwung bringt. Und geradezu berühmt ist Nandi, der Stier, der auf spektakuläre Weise aus dem Schlachthof ausbrach. Nicht zu vergessen: das Hühner-Altersheim!

Großes Vergnügen hat mir die Geschichte von der Hundetrainerin gemacht, die Schwester Theresia unbedingt beibringen wollte, mit ihrem Hund Nuria mit Worten zu kommunizieren. Aber die beiden kommunizierten seit jeher wortlos miteinander - was Schwester Theresia dachte, führte Nuria sofort aus. (Auf diese Weise war ich immer mit meinen Katzen verbunden. Es gibt eben nur den einen Geist, den wir alle miteinander teilen.) 

Und so sind all die Schafe, Kühe, Hühner, Schweine, Ziegen, Hunde und Katzen, die im Felsentor in Freiheit und Frieden leben dürfen, auch Zen-Lehrer für die Kursteilnehmer und Wanderer, die vorbeikommen: "Unter allen Worten und Bildern ist ein Raum der Stille, der auch um die Tiere ist", sagt Schwester Theresia. Sie sitze im Zendo immer "mit allen Wesen, mit der menschlichen Verfasstheit und mit dem Leid der Tiere. Die Tiere sitzen auch. Alle sitzen gemeinsam."


Jiddu Krishnamurti: Das Licht in uns. Über wahre Meditation

Eine Rezension von Dirk Grosser

Die edition steinrich aus Berlin entwickelt sich immer mehr zu meinem Lieblingsverlag. Neben einem untrüglichen Gespür für neue Autoren und Themen im buddhistischen Bereich (z. B. Bhante Dhammika oder Karl Brunnhölzl) sowie auch darüber hinausgehend (z. B. Christian Herwartz oder Karl-Heinz Brodbeck) verfügen Ursula Richard und Traudel Reiß, die beiden Köpfe des Verlags, auch über einen Sinn für das Heben älterer Bücherschätze und ihr neuerliches Verlegen.
Letzteres geschah bislang z. B. mit Bernard Glassmans Klassiker „Anweisungen für den Koch“ oder auch Joko Becks „Einfach Zen“ – und nun ganz aktuell mit einem der besten Werke Jiddu Krishnamurtis: „Das Licht in uns. Über wahre Meditation“, das kürzlich in sehr gelungener Aufmachung und in einer vom deutschsprachigen Krishnamurti-Komitee neu bearbeiteten Übersetzung erschienen ist.
In dieser Zusammenstellung öffentlicher Reden aus den Jahren 1968 – 1983 geht Krishnamurti in seiner unvergleichlichen Art auf das Thema Meditation ein, hinterfragt alle gängigen Methoden und vor allem unseren Wunsch, überhaupt einer Methode zu folgen. Er zeigt auf, wie wir beim Verwenden einer bestimmten Technik immer auch eine gewisse Form der Ideologie mit übernehmen, die uns nicht in die Freiheit, sondern in neue Konditionierungen führt.
„Wenn Sie sagen, Sie müssen meditieren, Sie müssen einem bestimmten Weg folgen oder eine bestimmte Technik praktizieren, dann konditionieren Sie sich ganz offensichtlich im Sinne dieses Systems (…) Vielleicht erreichen Sie das, was die Methode verspricht, aber es wird Asche in Ihren Händen sein, denn das dahinterstehende Motiv ist das Streben nach Erfolg, und dieses Streben entspringt der Angst.“
Krishnamurtis unermüdliches Fragen und seine klaren Ausführungen machen deutlich, dass wir mit bestehenden Methoden nur einem vorgezeichneten Weg folgen, anstatt uns selbst auf Entdeckungsreise zu begeben: „Einem anderen zu folgen, heißt ihn nachzuahmen. Jemand zu folgen heißt, dass man die eigene Klarheit verneint, die eigene Fähigkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen, die eigene Integrität und Aufrichtigkeit (…).“
Krishnamurtis Verständnis von Meditation ist dagegen das Sein im Augenblick, wahrhaft still, frei und ungetrübt von jeder Art Theorie oder Konzept. Ein einfaches Sein, das das ganze Leben zur Meditation werden lässt und sich nicht scheut, die Wahrheit auf eigene Faust zu erforschen. Ein Sein, das jenseits ausgetretener Pfade eine in jedem Augenblich sich neu entfaltende Form der Freiheit erfährt.
„Nur in dem, was leer ist, kann etwas Neues stattfinden“, lautet der letzte Satz dieses sicherlich für Kontroversen sorgenden Buches, das unsere gängige Vorstellung von Meditation auf den Kopf zu stellen vermag. Gewöhnungsbedürftig, weil es eben keine neue Methode anbietet, aber gerade deshalb eine echte Lese-Empfehlung!


Fred von Allmen: Buddhas Tausend Gesichter. Legenden und Lehren Erleuchteter

Eine Rezension von Wolfgang Presser (Seminarhaus Engl)

Geschichten buddhistischer Heiliger – wozu? Diese Frage stellt Fred von Allmen seinem neuen Buch „Buddhas Tausend Gesichter – Legenden und Lehren Erleuchteter“ nicht zu Unrecht voran. Wozu sollten wir heute noch so etwas Anachronistisches wie alte Legenden und Geschichten brauchen, eine weitere buddhistische Märchenstunde? Was sollten wir daraus lernen können? Fragen tauchen bei mir immer wieder auf: Welche Menschen begeistern mich? Was inspiriert mich? Was ist mir wichtig, was bin ich bereit dafür zu investieren an Zeit, Energie? Welche Risiken bin ich bereit einzugehen? In diesen Legenden und Lehren geht es um den Weg zu Glück und Befreiung – eine Praxis, wie sie der Buddha und die Meisterinnen und Meister der letzten Jahrtausende gelehrt und gelebt haben. Es geht ihnen um das, was heute noch genauso wesentlich ist: das Verstehen der Vergänglichkeit aller Dinge des Daseins, das Verstehen des Leidens, das durch Festhalten an Vergänglichem entsteht und durch Verlangen nach immer mehr, nach immer mehr Gütern, mehr Spaß, mehr angenehmen Erfahrungen – und die Möglichkeit der Befreiung von diesem Leiden.
Die Legenden reichen vom historischen Buddha über seine ersten Schüler, Ananda, Sariputta, Mogallana, Mahakassapa über die großen Meister des Mitgefühls (Asanga, Shantideva, Atisha) bis zu bedeutenden Lehrern der Gegenwart wie Ajahn Mun, Geshe Rabten und Anagarika Munindra. Ihre verschiedenen Zugänge, gekennzeichnet durch eine Praxis, die so unerschütterlich wie ein Berg sein kann, bis hin zur unbeschwerten Hingabe an den Weg, so viele Wege wie Menschen.
Auch der breite Raum, der weiblichen Vorbildern eingeräumt wird, von der ersten Sangha der Frauen, wie Mahapajapati und andere, bis zu den furchtlosen, weisen Frauen des Himalaja (Mandarava, Yeshe Tsogyal, Ma-chig) ist bemerkenswert, keine Selbstverständlichkeit in der männlich dominierten Geschichte des Buddhismus.
Die Geschichten erzeugen Inspiration und Hingabe, Vertrauen in die Praxis, und es entsteht eine Vertrautheit mit der Tradition, in der wir üben. Dieses Eingebundensein gibt uns die Kraft und Ausdauer, die nötig sind, um die Schwierigkeiten und Durststrecken, die immer wieder auftauchen zu überwinden und aufzulösen.
Die Beschreibung von Personen, die konsequent unterwegs waren, um dem zutiefst menschlichen Bedürfnis, das Leben zu verstehen und ein gutes Leben zu leben, gerecht zu werden, ist inspirierend und manchmal auch verstörend. Beim Lesen stellt sich bei mir die Gefahr des Ausschleichens ein, weil diese Schilderungen oft so jenseits meines Erlebens zu sein scheinen und dann noch die Wunder … Aber dann wieder die Entschlossenheit und die Aufforderung, uns so zu akzeptieren, wie wir sind, und gleichzeitig, ein manchmal fast unlösbarer Widerspruch, zu erkennen, dass Wachstum, Befreiung möglich ist.
Fred von Allmen stellt in dem Buch stets eine Verbindung zu unserem Leben, unseren Herausforderungen her. Aus einer anderen Zeit klingen die gleichen Fragen herüber, Befreiung bleibt aktuell, so lange es Menschen gibt. Jetzt machen wir den Unterschied aus. Was kann unser Beitrag sein?
Zentrale Begriffe der Lehre tauchen ständig auf, Vergänglichkeit, Unzulänglichkeit, die Nicht-Fassbarkeit der Natur des Daseins. Diese Stolpersteine bei unserem Bemühen das Leben bequem über die Bühne zu bekommen hat all die Erleuchteten, Heiligen inspiriert, ihr Potenzial zu entfalten, ihre Möglichkeiten wahrzunehmen.
Der Weg, den die Frauen und Männer in diesem Buch gegangen sind, mag uns gelegentlich schockieren, überfordern und klammheimlich legen wir das in die Schublade Märchen, aber … wir können uns entspannen – es braucht nur achtsames Gewahrsein zur Erforschung von Herz und Geist, Ausdauer, Geduld und Inspiration, und wir bleiben dran.
Es wird deutlich, dass der Impuls für dieses Buch durch Fred von Allmens persönliche Begegnung mit authentischen Lehrenden gekommen ist. Er hatte das Privileg über zwei Menschen, die er beschrieben hat, Geshe Rabten und Anagarika Munindra, direkten Zugang zu buddhistischer Praxis zu erhalten, zu einer Zeit, zu der es ausgesprochen exotisch und ungewöhnlich war, dieser Praxis einen Wert beizumessen.
In diesen Legenden und Lehren geht es um die mythologische Heldenreise, die auch Joseph Campbell beschrieben hat. Als Mensch der heutigen Zeit fragen wir die gleichen Fragen wie all die Menschen, die sich in diesem Buch auf den Weg zu Befreiung und Glück machen. Diese Geschichten, wenn es uns gelingt, sie aus dem Bereich der reinen Phantasie herauszuhalten, können das Feuer der Inspiration in uns entfachen, uns anspornen weiter zu gehen, entspannt aber entschlossen.

Thomas Cleary (Hrsg.): Die Drei Schätze des Dao. Basistexte der Inneren Alchimie

Eine Rezension von Renate Kuschke

Endlich sind diese lange vergriffenen Basistexte der Inneren Alchimie wieder erhältlich!
Vor über 20 Jahren hat Thoma Cleary die Zusammenstellung zentraler Texte zu diesem Thema erstmals herausgegeben. Während es mittlerweile eine unüberschaubare Anzahl von Veröffentlichungen zum Buddhismus gibt, liegen immer noch recht wenige kommentierte Quellentexte der daoistischen Weisheitstradition vor.
Die drei Schätze (Vitalität, Energie, Belebender Geist) stellen das wesentliche Konzept der chinesischen Kultur dar, sind Bestandteil der Heilkunde, der spirituellen Tradition und Grundlage der inneren Künste wie Qigong und Taijiquan.
Allein Thomas Clearys Einleitung zu den drei Schätzen ist lesenswert, da geschichtliche und soziale Aspekte dieser Konzepte beschrieben werden.
Der gesamte Band enthält Ausschnitte daoistischer Literatur aus den vergangenen 2500 Jahren. Er beginnt mit dem Daodejing und anderen Grundlagentexten des philosophischen Daoismus wie Zhuangzi oder Huainanzi. Durch jeweils kurze Einführungen wird auch der politische und soziale Kontext erhellt, in dem diese Schriften entstanden sind, was wesentlich zum Verständnis beiträgt. Thomas Cleary versucht in seinen Übersetzungen nahe am Geist dieser alten Weisheitstradition zu bleiben und eine christlich-abendländische Färbung der Sprache, wie wir sie oft in den Übersetzungen von Richard Wilhelm finden, zu vermeiden.
In diesen Texten ist vom ewigen Wandel, der Unsterblichkeit und dem „Wahren Menschen“ die Rede. Die alchimistische Forschung war die Suche nach einem Weg, diese Ideale zu verwirklichen, um so „das Dao zu erlangen“.
Dieser Weg, oft als Herstellung des Elixiers oder der Goldenen Pille beschrieben, führt über das tiefe Verständnis von Yin und Yang zur Läuterung, Verfeinerung und Transformation der drei Schätze Jing, Qi und Shen zur großen Leere, zum Dao. Im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich unterschiedliche Schulen heraus, die ihre Übungswege zumeist in sehr bildreicher und verschlüsselter Weise weitergegeben haben.
Auch wenn diese Schriften geheimnisvoll und kryptisch sind, Thomas Cleary versteht es durch verständlich geschriebene Erläuterungen die verschiedenen Strömungen begreifbarer zu machen. Zwei wesentliche Richtungen haben sich entwickelt: Eine mehr an der Energiearbeit und den körperlichen Prozessen interessierte Südliche Schule und die auf spirituelle, meditative Übungen ausgerichtet Nördliche Schule, die sehr stark vom Chan-Buddhismus (Zen) beeinflusst war.
Thomas Cleary ist auch herausragender Übersetzer dieser Richtung und so bleibt sein Sprachgebrauch gerade an der Schnittstelle von Daoismus / Buddhismus sehr authentisch.
Besonders für Qigong oder Taijiquan Praktizierende ist dieses Buch eine Fundgrube. Hier finden wir die philosophischen, psychologischen und spirituellen Grundlagen dieser Energiearbeit und Bewegungskunst. „Die Drei Schätze des Dao“ erinnert an die tieferen philosophischen und spirituellen Inhalte und so ist sie in einer Zeit, in der die äußeren Formen oft im Vordergrund stehen, ein Muss für jeden intensiv Übenden.
Aber auch für an Buddhismus oder allgemein an fernöstlicher Spiritualität interessierte Leser ergibt sich hier die einmalige Möglichkeit anhand von Quellentexten zu erkunden, wie sich Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus in China in alter Zeit berührt und teilweise beeinflusst haben.
Und jenseits von Daoismus / Buddhismus finden wir hier die tausende Jahre alte Quelle von Achtsamkeitsübungen, die sozusagen in Religions-neutraler Form heute in vielen Bereichen von Medizin, Psychologie und allgemeiner Lebensgestaltung wieder Einlass finden.

Wilfried Reuter: Zusammen aufwachen. Buddhistische Weisheit für glückliche Beziehungen

Eine Rezension von I. D.

Das Buch „Zusammen Aufwachen“ von Wilfried Reuter hat mich sehr beeindruckt, weil es umfassend alle Themen  rund um Beziehungen behandelt. Dabei geht es nicht nur um Liebesbeziehungen, sondern auch um die Beziehung zu sich selbst, um Freundschaftsbeziehungen und die Beziehung zu Eltern und Kindern. Grundlage dafür, dass man überhaupt Beziehungen eingeht, ist nach W. Reuter eine tiefe Sehnsucht nach Verbindung mit anderen. Aus buddhistischer Sicht erklärt er, was die größten Hindernisse für eine gelingende Beziehung sind und was man selbst dafür tun kann, sich gemeinsam mit dem/der/den Anderen weiterzuentwickeln. Stichworte sind in diesem Zusammenhang: Achtsamkeit entwickeln, Denkmuster identifizieren, Erwartungshaltungen entschärfen, Bedürfnissen nachspüren, Blockaden erkennen und auflösen, Einfühlung und Bewusstheit entwickeln. Einen großen Raum nehmen logischerweise die Themen Kommunikation, miteinander reden und einander zuhören ein. Aber auch den Themen Lust und Last der Sexualität, Eifersucht, Schuldgefühle, Verzeihen, Trennung, Treue und Hingabe ist je ein Kapitel gewidmet. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen als Ratgeber für alle, die mit ihren Beziehungen nicht so ganz zufrieden und glücklich sind (wer ist das schon?), egal ob sie sich für Buddhismus interessieren oder nicht, denn das Buch ist sehr lebendig, praxisnah und mit Herzenswärme geschrieben. Das Buch kann auf jeden Fall helfen, einen neuen Blick und mehr Bewusstheit dafür zu entwickeln, was eigentlich nicht so ganz stimmig in den eigenen Beziehungen ist und was man selbst ändern kann. Sehr hilfreich ist auch die beigelegte CD mit zwei angeleiteten Meditationen. In einer Achtsamkeitsmeditation geht es um den inneren „Wohlfühlort“, also um einen liebevollen Kontakt zu sich selbst. Die zweite Meditation mit dem Titel „Blumengarten“ ist auf die Entwicklung von Mitgefühl zu sich selbst und zu anderen ausgerichtet.

Wilfried Reuter: Zusammen aufwachen. Buddhistische Weisheit für glückliche Beziehungen

Eine Rezension von Anna Pesch

Auch wenn es dem Buddha nicht primär darum gegangen ist, Menschen hilfreiche Anstöße für ihr Beziehungsleben zu geben, so lassen sich doch in den buddhistischen Lehren eine Vielzahl inspirierender Gedanken dazu finden. Sie für uns heute fruchtbar zu machen: Da lässt sich kaum jemand Kompetenteren vorstellen als den buddhistischen Lehrer Wilfried Reuter: Er lebt selbst in einer Beziehung, und als praktizierender Frauenarzt ist er tagtäglich mit den Freuden, Sorgen und Nöten in diesem Bereich konfrontiert. Welches sind die Voraussetzungen gelingender Beziehungen? Wie lassen sich Sexualität und Spiritualität verbinden? Welche Wege führen heraus aus Beziehungsfrust und Einsamkeit? Gibt es einen richtigen Zeitpunkt, sich zu trennen? All diesen Fragen widmet sich der Leiter des Lotos-Vihara-Meditationszentrums in Berlin in „Zusammen aufwachen“. Er zeigt, dass sich unser Bedürfnis nach Zweisamkeit aus einer viel tieferen Sehnsucht nach Verbundenheit speist. Dieser Sehnsucht können wir auch in schwierigen Zeiten treu bleiben. Beziehungen machen glücklich, wenn sie zu Bewusstheit und Verbundenheit führen. Dann werden wir tatsächlich „zusammen aufwachen“.

Wilfried Reuter: Zusammen aufwachen. Buddhistische Weisheit für glückliche Beziehungen

Eine Rezension von Sabine Giest

Ein Buch mit buddhistischen Weisheiten für glückliche Beziehungen –  brauchen wir das auch noch? Ich dachte an die unübersehbare Fülle der Beziehungsratgeber in den Buchläden und an die vielen gescheiterten Beziehungen um mich herum. Und überhaupt – sind Buddhisten nicht meist Mönche und Nonnen?
Wilfried Reuter ist buddhistischer Lehrer, Frauenarzt und lebt seit 20 Jahren in einer stabilen Beziehung. Sein Buch ist aus dem tiefen Bedürfnis zu helfen entstanden. So liest es sich auch – aus langer Erfahrung gespeist, klar, ehrlich. Es gibt keine platten Ratschläge und keine Heilsversprechen, aber vieles zum Nachdenken und Nachspüren. Beispiele aus der eigenen Praxis lassen die Probleme erlebbar und nachvollziehbar werden. Ich fühlte mich immer wieder auf meine eigenen Gefühle hinverwiesen, auf die Beziehung zu mir selbst. So lautet auch eines der ersten Kapitel, und dieses Annehmen der eigenen Sehnsucht, unserer  innersten Bedürfnisse zieht sich als Leitfaden durch das ganze Buch. Der Autor vermeidet auch scheinbar heikle Themen nicht – Eifersucht, Sexualität, Trennung – schmerzhafte, manchmal verdrängte Dinge werden liebevoll und mitfühlend betrachtet. Dem Fühlen wird in dem Buch viel Raum gegeben, und damit es nicht bei der Theorie bleibt, gibt es eine CD mit Anleitungen zum Einfühlen - Risiken und Nebenwirkungen sind einkalkuliert. Es könnte passieren, wenn man den Mut hat und sich darauf einlässt, dass tiefe Blockaden sich lockern und Tränen fließen oder so etwas wie Erleichterung gespürt wird.
Die ist ein Buch nicht nur für Paare, die in Krisen stecken oder noch glücklich sind. Jeder, der sich mehr Verbindung egal welcher Art zu sich und seinen Mitmenschen wünscht, kann in diesem Buch wunderbare Hilfestellungen finden. Die Lehren des Buddha kommen hier nicht als  Heilsversprechen, sondern als ganz praktische Lebenshilfe daher. Insofern ist das Buch für jeden ein Gewinn – besonders, wenn man es nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen liest. Genau so, wie es auch von Wilfried Reuter geschrieben wurde.

Wilfried Reuter: Zusammen aufwachen. Buddhistische Weisheit für glückliche Beziehungen

Eine Rezension von Doris Rosenbauer

„Zusammen aufwachen“, so der etwas provokante Titel des neuesten Buches von Wilfried Reuter. Der Untertitel „Buddhistische Weisheit für glückliche Beziehungen“ legt die Schlussfolgerung nahe, dass das Erleben glücklicher Beziehungen ein Aufwachen erfordert. Dann schlafen wir etwa?
Als ich das Buch während einer langen Bahnreise las, wurde mir anhand des klar verständlichen Textes schnell deutlich, was mit „aufwachen“ gemeint ist – nämlich zuallererst uns selbst fühlend zu erleben, uns in unseren Körper einzufühlen, unsere Empfindungen wahrzunehmen und diese auszudrücken zu lernen. Gemeint ist eine liebe-, verständnisvolle und annehmende Beziehung zu uns selbst zu entfalten, auf deren Grundlage wir uns auch in unsere Mitmenschen leichter einfühlen können, insbesondere in die uns nahestehenden Menschen im Alltag.
Lernen aufzuwachen und unseren schlafähnlichen Zustand überwinden … Ja, sich wach und präsent zu fühlen ist doch ein deutlich erlebbarer Unterschied zum Wachwerden am Morgen.
Wilfried Reuter erklärt gleich zu Beginn seines Buches sehr anschaulich und verständlich, wie es dazu kommt, dass wir (tendenziell alle) vorwiegend aus einem schlafähnlichen Zustand heraus handeln. Gemeint ist damit, dass wir im Alltag zu 90 % meist „im Kopf“ sind. Wir denken, ordnen ein, bewerten und sind somit im sogenannten „konzeptionellen Bewusstsein“ oder „Verstandesbewusstsein“. Einher geht ein Erleben von Trennung. Dieses Bewusstsein brauchen wir natürlich, um uns in unserer Gesellschaft, unseren Berufen zu bewegen. Allerdings kommt mit den verbleibenden 10 % das „fühlende Bewusstsein“ zu kurz, welches uns ermöglicht, dass wir uns ganz und verbunden erleben.
Selbsteinfühlung als Schlüssel, um in einen Zustand zu gelangen, in dem es mir an nichts mangelt. Dies sei die beste Grundlage, Problemen mit unseren Partnern zu begegnen (S. 34). Dies gilt es zu üben, damit es uns immer öfter im Alltag gelingt.
Wilfried Reuter liefert nicht nur den gut verständlich und kurz gehaltenen theoretischen Hintergrund für den Weg zu mehr Bewusstheit und Wachheit, sondern gibt viele Hilfestellungen, um mit den Stolpersteinen im Beziehungsalltag verständnisvoller und annehmender umgehen und daraus lernen zu können.
Besonders anrührend und wohltuend habe ich beim Lesen des Buches erlebt, dass ich zu keinem Zeitpunkt den Eindruck eines im Hintergrund „erhobenen Zeigefingers“ spürte, sondern Wohlwollen und Ermutigung.

 

Joachim Wetzky: iBuddhismus. Kreative Bodhisattvas zwischen Facebook und Hingabe

Eine Rezension von Doris Iding

Wir leben in einer Zeit, in der radikale Veränderungen stattfinden. Jeden Tag werden wir mit persönlichen oder globalen Katastrophen konfrontiert, die ein Umdenken sowohl vom Einzelnen als auch von der ganzen Gesellschaft fordern. Dadurch erleben wir einen Bewusstseinswandel, wie er bislang noch nicht stattgefunden hat. Denn immer mehr Menschen sind bereit, mehr und mehr Verantwortung für ihr eigenes Denken und Handeln zu übernehmen. Aber nicht nur das: Immer mehr Menschen erkennen, dass es mittlerweile nicht mehr nur noch um die eigene Erleuchtung geht, sondern dass das Weiterbestehen des Planeten auf dem Spiel steht. In diesem Kontext stellen sich viele Menschen die Frage, was genau sie tun können, um als Individuum an diesem großen Wandel teilzuhaben und ihn zu unterstützen. Sie fragen sich, wie wir es schaffen, kreative und heilsame Impulse in die gesellschaftlichen Institutionen wie den Bildungsbereich oder die politischen Systeme zu bringen.
Der integral-buddhistische Aktivist Joachim Wetzky gibt in diesem, seinem ersten Buch auf 240 Seiten Antworten auf diese Fragen, die nicht nur spannend zu lesen sind, sondern auch umsetzbar. Sein Anliegen: Die Welt braucht Bodhisattvas! Und zwar kreative Bodhisattvas, die die Komplexität dieser rasanten Zeit erfassen und eine Stütze für den gesellschaftlichen Wandel sind. Seine Empfehlung an jeden von uns: mit Hilfe buddhistischer Praktiken selbst zu einem Bodhisattva zu werden. Wie dies inmitten vom Alltag geht, zeigt er erfrischend zeitgemäß, den heutigen Bedürfnissen und Möglichkeiten angepasst. Es gelingt ihm, eine Synthese zu schaffen, aus »alten« buddhistischen Werkzeugen, die er in einem Bodhisattva-Training vorstellt, und der Möglichkeit, die modernen Medien als Möglichkeiten zu nutzen, um die Gesellschaft aktiv zum Wohl aller Wesen zu verändern.
Im Vergleich zu vielen anderen Büchern über den Buddhismus hat „iBuddhismus“ etwas Erfrischendes. Es zeigt, dass der Kern der Buddhismus zeitlos ist, die Sprache und die Umsetzung seiner Essenz aber immer wieder an die gegenwärtigen Bedürfnisse und Anforderungen einer Generation angepasst werden sollten. Dies ist Joachim Wetzky mit diesem Buch gelungen. Und somit bleibt ihm und uns zu wünschen, dass sich besonders junge Leute davon angesprochen fühlen und darin sinnvolle Werkzeuge und kreative Möglichkeiten entdecken, die sie darin unterstützen, ihr Bewusstsein zu transformieren, so dass auch weiterhin Menschen werden leben können auf diesem wunderschönen Planeten!


 

 

Jampa Tsedroen & Thea Mohr (Hrsg.): Mit Würde und Beharrlichkeit. Die Erneuerung buddhistischer Nonnenorden

Eine Rezension des englischen Originals hier als PDF


 

 

 

 

 

 

 

Kazuaki Tanahashi & Friederike Boissevain: Hoher Himmel, Großer Wind. Leben. Gedichte und Kalligraphie des Zen-Meisters Ryokan

Eine Rezension von Anna Pesch

Welch wunderbares Buch! Entstanden ist es aus der langjährigen Zusammenarbeit des japanischer Kalligraphie-Meisters und Zen-Gelehrten Kazuaki Tanahashi und der deutschen Ärztin und Zen-Übenden Friederike Juen Boissevain. Es widmet sich dem Leben und Werk des japanischen Dichters, Zen-Meisters und Kalligraphen Ryokan (1758-1831) und enthält viele, erstmals in deutsche Sprache übersetzte Gedichte. In ihnen, den zahlreichen Anekdoten über ihn sowie seiner Lebensbeschreibung begegnet uns ein liebenswerter, sensibler, mitfühlender, kauziger Einzelgänger, der sein Leben jenseits der gesellschaftlichen Konventionen seiner Zeit in großer Einfachheit und meist auch Armut lebte und uns dank seiner Poesie an seinen Freuden aber auch Leiden teilhaben lässt. Er ist einer jener großen Zen-Persönlichkeiten, deren Leben und Werk von der radikalen Freiheit künden, welche mit der Zen-Praxis einhergehen kann, wenn die Treue zu sich selbst wichtiger bleibt als Titel und Reputation innerhalb der traditionellen Institutionen. Mich berührt er sehr, dieser einsame Dichter in seiner ärmlichen Grashütte, dem es so oft am nötigsten mangelte, am Essen ebenso wie an menschlicher Gesellschaft, an Papier wie an Tusche für seine Kalligraphien. Schon zu Lebzeiten wurde er berühmt und seine Kalligraphien waren sehr begehrt. Bis heute wird er in Japan überaus verehrt und geliebt. Wie inspirierend er für uns und unser Leben sein kann, das wird aus dem gemeinsamen Buch von Tanahashi und Boissevain sehr deutlich. Neben den Gedichten und Anekdoten enthält es eine ausführliche Lebensbeschreibung, in der Ryokans Bedeutung auch im Kontext seiner Zeit reflektiert wird, zahlreiche Kalligraphien sowie ein aufschlussreiches Kapitel über die japanischen Gedichtformen.


Stephen Batchelor: Mit dem Bösen leben. Warum wir das Gute wollen und immer wieder das Böse tun

Eine Rezension von Anna Pesch

Mag uns auch die Redeweise vom Bösen, gar vom Teufel oder von Mara, als Relikt eines längst überwundenen mythologischen Denkens erscheinen, so begegnen wir dem Bösen noch heute auf Schritt und Tritt, sei es in der Figur eines sadistischen Kindermörders, des Norwegers Anders Breivik, der 76 Menschen tötete, um ein Zeichen gegen Islam und Multikulturalismus zu setzen, einzelner Jugendlicher, die sich in hemmungslosen Gewaltakten berauschen – oder beim Blick in die Abgründe des eigenen Herzens. Das Thema ist also brandaktuell und da ist es umso erfreulicher, dass Stephen Batchelors großartiges Buch „Mit dem Bösen leben. Warum wir das Gute wollen und immer wieder das Böse tun“ in der edition steinrich wieder neu aufgelegt wurde. In seinem breit angelegten philosophischen Essay bebildert er Mara und den Teufel als Prototypen verschiedener spiritueller Traditionen neu, sodass sie in modernem Gewand vor uns stehen und wir ihre Verlockungen verstehen. „Die ,Buddha-Natur‘ steht für die offene Perspektive, in der wir frei sind, auf den Ruf anderer zu antworten; die ,Mara-Natur‘ steht für die fixierten Positionen, die uns zu Reaktionen zwingen. Während sich aus einer Perspektive heraus die Möglichkeit entwickeln kann, einem Pfad ins Unbekannte zu folgen, stellt eine Position sicher, dass vom vorher abgesteckten Terrain nicht abgewichen wird.“ Und wer liebt nicht den sicheren Hafen fixierter, wenn auch eingeschränkter Sichtweisen, in denen sich ein vermeintliches Ich vor den Stürmen eines ungesicherten, freien Lebens gern flüchtet. Von hier aus mag der Weg zum „tatsächlichen Bösen“ (s. o.) weit sein, aber hier beginnt er. Nicht zuletzt durch die hervorragende Übersetzung von Renate Seifarth ist dieses Buch ein wahrer Lesegenuss.

 

Bhante S. Dhammika: Broken Buddha. Plädoyer für einen neuen Buddhismus

Eine Rezension von Ulli Olvedi

Der australische Theravada-Mönch Bhante Dhammika hat seinem Herzen Luft gemacht, zuerst, wie er im Vorwort berichtet, nur im stillen Kämmerchen in privaten Aufzeichnungen. Die gab er wohl Freunden zu lesen, und dank einer undichten Stelle tauchten sie unversehens im Internet auf. Und führten so zu einem Buch, von dem der Autor nun hofft, dass es doch allenthalben eine Entschlackung des Buddhismus fördern möge, weit über die Grenzen des Theravada-Buddhismus hinaus. Was er zu erzählen hat von Faulheit, Arroganz, Korruption und Sexismus in der traditionellen Theravada-Szene Sri Lankas, Thailands und Burmas, ist wahrlich haarsträubend. Da hat sich in 25 monastischen Jahren in dem Mönch, der sich nach wie vor dem Buddha und seiner Lehre zutiefst verbunden fühlt, einige Bitterkeit angesammelt angesichts der Theravada-Tradition, in der er nur noch ein erstarrtes, herzloses, formalbuddhistisches System erkennen kann. Seine Hoffnung, dass es mit dem Theravada im Westen besser stünde, wurde enttäuscht. Die Westler, so stellte er fest, halten fast noch zäher am tradierten Unfug fest. Eine wütende Abrechnung sei dies nicht, schreibt der Autor. Vielmehr befürchte er, dass die Probleme des Theravada (Bhikku Bodhi: „Ein totes Gewässer im sonst lebendigen westlichen buddhistischen Neuland“) sich im Westen fortsetzen könnten. Und nicht nur des Theravada – jede der buddhistischen Richtungen, die aus Asien adoptiert werden, hat so manche überalterte Formen im Gepäck. Doch Bhante Dhammika hat noch Hoffnung. Denn in anderen buddhistischen Richtungen, vor allem den tibetischen, sieht er eine mutige Tendenz, die überkommenen religiösen Traditionen als relativ anzuerkennen, infrage zu stellen und auf ihre Tauglichkeit zu überprüfen. Ein unbequemer, aber anregender Beitrag zur unumgänglichen Suche nach neuen, zeitgemäßen Formen für des Buddha kostbare Lehren.


Bhante S. Dhammika: Broken Buddha. Plädoyer für einen neuen Buddhismus

Eine Rezension von Dirk Grosser

Jede noch so wertvolle spirituelle Tradition läuft Gefahr, im Laufe der Zeit von rein kulturell bedingten Strukturen überwuchert zu werden und die eigentliche Lehre ins Hintertreffen geraten zu lassen. So erging es dem Christentum, dem Judentum, dem Islam und auch etlichen hinduistischen Strömungen. Bhante S. Dhammika, selbst lange Jahre buddhistischer Mönch in der Theravada-Tradition, zeigt in seinem neuen Buch auf, dass dieses Phänomen auch vor dem Buddhismus nicht Halt macht.
Aus eigener Erfahrung schöpfend beschreibt er die Irrwege, auf die sich der Buddhismus in Südostasien gemacht hat, die Verkrustungen, die den spirituellen Inhalt überdecken und eine Lehre der Befreiung in einen geistlosen Formalismus verwandeln. Teils ist das amüsant, wenn Bhante S. Dhammika von der wortwörtlichen und nicht hinterfragten Befolgung aus dem 1. Jahrhundert stammender Regeln und Moralvorstellungen berichtet, teils ist es erschütternd, wenn er die Auswüchse dieses Systems schildert, dass sich in unglaublicher Heuchelei selbst erhielt und weiter erhält.
Trotz aller Kritik ist dieses Buch jedoch nicht einfach die „Abrechnung“ eines Enttäuschten oder gar Verbitterten. Man spürt beim Lesen, dass nur jemand, der den Kern seiner Tradition wahrhaftig liebt, diese Dinge fundiert und differenziert ansprechen kann, ja, ansprechen muss. Dhammikas Buch ist – obwohl es sich hauptsächlich auf den Theravada-Buddhismus bezieht – ein traditionsübergreifender Appell für einen freien Buddhismus, der eine Umgebung für den einzelnen Praktizierenden schafft, in der die Verwirklichung Buddhas Lehren möglich ist. Seine Vorschläge für diesen neuen Buddhismus, der sich in Asien, aber vor allem auch im Westen entfalten könnte, sind durchdacht und praktikabel. Die Ausbildung, die ihm für Ordinierte als auch für Laienlehrer vorschwebt, ist „liberal, kritisch, breit gefächert und durchdrungen vom Geist des Dhamma“ und hebt praktische Belange wie die Meditation und das soziale Engagement („tätiges Mitgefühl“) in den Vordergrund. Folgerichtig nennt er seinen Weg nicht mehr Theravada (wörtlich: „Die Sichtweise der älteren Mönche“), sondern Buddhayana – der Weg des Buddha. Eine wahre Reformationsschrift also, die den Blick zurück aufs Wesentliche lenkt und dabei manche Missverständnisse und romantischen Klischees, die wir Westler in Bezug auf Asien und seine Religionen haben, aufdeckt. Ein wertvolles und wichtiges Buch, das dank der Edition Steinrich nun auch in einer überaus gelungenen deutschen Version erhältlich ist.


Jetsünma Tenzin Palmo: Lebendige Lehren für unsere Zeit

Rezension von Gabriele Küstermann

Jetsunma Tenzin Palmo ist bekannt für ihre klare und verständliche Sprache – eine Freude für alle, die sich auf den Weg begeben haben, ihr Leben zu verändern, um aus belastenden Gewohnheiten herauszufinden. Die Medizin, die der Buddha uns über sie reicht, ist die Einsicht in die Realitäten.
Sie sagt uns, wie wir wieder Freude am Dharma finden können, was es heißt, Vertrauen zu entwickeln, wie wir Vorurteile und Selbstbezogenheit überwinden und unsere grundlegende geistige Gesundheit entdecken können. Dann folgen Kapitel über das Fundament, das es erstmal zu legen gilt, über Achtsamkeit, Bodhichitta und die Mahamudra-Praxis. Abgerundet wird das Ganze mit Anmerkungen zu Retreats und mit Antworten auf Fragen, die ihr immer wieder von Zuhörern gestellt werden.
Nicht nur Leserinnen und Leser, Dharmapraktizierende, die Jetsunma Tenzin Palmo persönlich bei ihrer letztjährigen Vortragsreise durch Europa kennen gelernt haben, sondern auch alle, die sich erstmals der Lehre des Buddha annähern wollen, werden sich über diese Neuerscheinung in deutscher Sprache mit Darlegungen zu den wesentlichen Themen freuen.

 


Wilfried Reuter: Weck den Buddha in dir. Wege zu innerer Stärke

Rezension von Anna Pesch

Nicht zuletzt von der Kunst, die Lehren des Buddha so zu vermitteln, dass sie Menschen von heute sinnvolle Perspektiven weisen, hängt ab, ob der Buddhismus im Westen nachhaltig Fuß fassen kann oder ob er trotz der vielen Buddhas, die mittlerweile allerorten zu sehen sind, doch eher eine Randerscheinung bleiben wird. Eine solche Kunst muss die Fallstricke einer bloßen Wellness-Spiritualität ebenso vermeiden wie ein Steckenbleiben in der Faszination exotischer asiatischer religiöser und kultureller Ausdrucksweisen. Dem Berliner buddhistischen Lehrer Wilfried Reuter gelingt es m. E. mit seinem Buch sehr überzeugend, diesen Fallstricken zu entgehen und in bestem Sinne Lebenshilfe zu bieten. Und zwar eine, deren Grundlage die zeitlosen Lehren des Buddha sind, die aber in einer zeitgemäßen Sprache präsentiert wird und deren Bezugsrahmen unsere moderne Lebenswirklichkeit ist. Es geht darum, wie wir zu innerer Stärke finden können, indem wir transformieren, was uns schwächt und in alten Gewohnheitsmustern gefangen hält, und Zugang erlangen zu unseren Kraftquellen, dem Buddha in uns. Wilfried Reuter ist der Aufforderung seiner Lehrerin Ayya Khema, in Berlin ein Zentrum aufzubauen und zu leiten, mittlerweile erfolgreich nachgekommen, wie sich jeder leicht überzeugen kann, der in Berlins Mitte das Lotos Vihara aufsucht, ein überaus lebendiges buddhistisches Stadtzentrum. Er ist darüber hinaus als niedergelassener Frauenarzt tätig und dies trägt sicher dazu bei, dass er weiß, was uns auf den Nägeln brennt und wichtig ist. Leitmotivisch sucht er in seinem Buch die Frage zu beantworten: Was zeichnet Menschen aus, die auch in schwierigen Situationen nicht den Halt verlieren? Und können wir eine solche Fähigkeit entwickeln und stärken? Wilfried Reuter bejaht diese Frage eindeutig und zeigt in seinem Buch, welchen Beitrag die Lehren des Buddha heute dazu leisten können. Dem Buch beigefügt ist eine CD mit einer Achtsamkeits- und einer Mettameditation.

 


Wilfried Reuter: Weck den Buddha in dir. Wege zu innerer Stärke

Rezension von Ulrike Manier

„Was zeichnet Menschen aus, die auch in schwierigen Situationen nicht den Halt verlieren? Was trägt, wenn’s darauf ankommt?“ Immer wieder muss der Berliner Frauenarzt und buddhistische Lehrer Wilfried Reuter seinen Patientinnen schwer zu verkraftende Diagnosen mitteilen. Er erlebt, dass Menschen, die über Kraftquellen verfügen, deutlich schneller wieder zu innerem Gleichgewicht finden. Unterstützt durch den Coautor Holger Wicht, einem Schüler Wilfried Reuters, beschreibt dieser in einfühlsamer und leicht verständlicher Sprache die Schwierigkeiten des Alltags. Durch viele, teils berührende, teils humorvolle Beispiele aus dem eigenen Erleben des Autors, der auch Leiter eines großen Berliner Meditationszentrums ist, fällt es dem Leser leicht, sich mit eigenen Ängsten, Schuldgefühlen und anderen selbst zerstörerischen Mustern wiederzuerkennen. Mit tiefem Verständnis des Dhamma und anderer spiritueller Traditionen beschreibt Wilfried Reuter den Zugang zu Kraftquellen, die für jeden zugänglich sind: die verschiedenen Ebenen der Freude und des Glücks, die Entwicklung von Vertrauen zu sich und anderen, Mitgefühl und Geduld, die Praxis des Annehmens und Verzeihens, die unterschiedlichen Arten der Achtsamkeit, Gebefreudigkeit und die Einhaltung der Tugendregeln. Ausführlich wird beschrieben, wie wir das eigene Spürbewusstsein entwickeln können: über die Hingabe im Alltag, das Gebet, in Verbindung mit der Natur, mit dem Wohlfühlort im eigenen Körper. Geleitete Metta- und Achtsamkeitsmeditationen geschrieben und gesprochen auf CD laden ein, das Gelesene sofort umzusetzen. Das ist überhaupt der Effekt des Buches: „Weck den Buddha in dir“ setzt keine jahrelange Meditationspraxis voraus, ist kein unerreichbares Ziel, kein Berg, den ich doch nie besteigen kann. Die beschriebenen Übungen inspirieren sowohl Anfänger als auch schon länger Praktizierende zu mehr Leichtigkeit im Leben und dem freudigen Gefühl: Das kann auch ich erreichen! Durch den Aufbau der Kapitel kann man sich gut auch einzelne Themen herausgreifen, um sie zu vertiefen – einprägsame Merksätze helfen dabei. Ein wirklich lesenswertes Buch!

 

Annabelle Zinser: Herzenswege

Rezension von Anna Pesch

Annabelle Zinser ist Dharmalehrerin in der Tradition von Thich Nhat Hanh und Leiterin der „Quelle des Mitgefühls“ in Berlin. Aus ihren langjährigen Erfahrungen in der spirituellen Begleitung von Menschen heraus hat sie eine Vielzahl von Meditationen entwickelt als Hilfe und Unterstützung, die Lehre des Buddha im Alltag zu leben. Es sind Meditationen zur Entwicklung von Freude, Glück und Dankbarkeit, zur Förderung von Liebe und Mitgefühl, zur Entfaltung von Großzügigkeit, Wertschätzung und Gelassenheit, zur Heilung und Transformation schmerzhafter Gefühle und alter Verletzungen. Dabei wird die Achtsamkeit auf den Atem mit der Achtsamkeit auf den jeweiligen Schwerpunkt der Meditation verbunden. Eingeleitet werden diese Meditationen durch einführende Worte der Autorin zum jeweiligen Thema. Besonders hilfreich ist die beigefügte CD, die dreizehn, von der Autorin selbst gesprochene geleitete Meditationen enthält. Ein inspirierendes Buch zur individuellen wie gemeinschaftlichen Übung. 

 

Annabelle Zinser: Herzenswege

Eine Rezension von Munish B. Schiekel

„ Form ist Leerheit und Leerheit ist Form“ sagt der/die Große Mitleidvolle zu uns im Herzsutra. Viele Vipassana-, Zen- und Mahamudra-Übende, die auf dem formlosen Pfad unterwegs sind, kennen und
schätzen jedoch auch aus dem Bereich der Form die wunderbaren Wirkungen der Metta-Meditation zur Kultivierung unseres Herzens und Geistes. Die bekannte Berliner Dharmalehrerin Annabelle Zinser legt jetzt mit ihrem Buch „Herzenswege“ eine Sammlung geführter Meditationen zu Heilung und Transformation vor, die sie seit vielen Jahren auf ihren Vipassana-Kursen und Retreats in der Tradition von Ruth Denison und Thich Nhat Hanh praktiziert und gelehrt hat. Die Meditationen beginnen stets mit der Achtsamkeit auf den Atem und folgen in ihrer Einfachheit dem Vorbild der Metta-Meditation, behandeln jedoch in ihrer Gesamtheit ein breites Spektrum von Geisteszuständen. Eine kleine Einleitung zu jeder Meditation erläutert den Kontext oder gibt ein Beispiel für die Anwendung. Eine beiliegende CD (MP3-Format) hat die Autorin mit einigen
der wichtigsten geführten Meditationen besprochen. Das Buch wie die CD sind schlicht und von Herz zu Herz.

 

Friederike Juen Boissevain: Zeitmuldenlieder

Rezension von Harald Schöcklmann

„Vor dem Anfang / weder Wort noch Klang / nur blaue Weite / und die leise Fahrt / durchs Namenlose.“
Mit den „Zeitmuldenliedern“ stellt Friederike Juen Boissevain ein persönliches, ungewöhnliches Buch mit Gedichten und Kurzprosa vor. Die Autorin ist Buddhistin und praktiziert seit vielen Jahren in der Tradition des Zen.
Die Erfahrung dieses spirituellen Weges ist es, die aus vielen Gedichten spricht und den Leser dazu einlädt, innezuhalten: das Erleben der Stille, der Natur und der Jahreszeiten, eines einfachen Lebens im Kloster. Die Autorin erzeugt hierbei stimmungsvolle, dichte innere Bilder, die beruhigen, trösten, begeistern, wehmütig machen, staunen und schmunzeln lassen oder auch zum Nachdenken anregen. Die Sprache ist einfach, ungekünstelt, direkt – die wenigen Begriffe aus dem Zen-Buddhismus werden in einem Glossar erklärt.
Doch bleibt es nicht bei sanften Sprachlandschaften: nur scheinbar widersprüchlich hierzu berühren Gedichte die konkrete Arbeitswelt, den Haushalt, das oft nebensächlich unbedeutend Alltägliche, Lebenslust und -leid. Ein Beispiel: Die Autorin, die in ihrem Beruf für krebskranke Menschen arbeitet, gewährt Augen und Ohren für Begegnungen mit diesen Menschen. Kurze, fotografisch eingefrorene Momentaufnahmen lassen den Leser in die verborgene, verbotene Welt unheilbar Kranker eintreten: „Ein großer Tisch / zwei Generationen zwischen uns / plötzlich Tränen / auch ich / komme aus Masuren.“
Gerade diese Vielfalt des Erlebten ist es, die den besonderen Reiz dieses Buches ausmacht. Die bunten Facetten aus dem Leben einer Buddhistin in dieser Welt fügen sich zusammen zu einem beseelten, schwingenden Ganzen, Persönliches berührt das Universelle. „Die ersten Falten / mein Berg wird mürbe / endlich.“
Ein Buch, das in kleinen Schritten erforscht und erlebt werden möchte. Ich wünsche diesem herrlich gelungenen Gedichtband viele Leser.


 

David Schneider: STREET ZEN. Leben und Wirken des Issan Dorsey

Rezension von Christa Spannbauer

„Es gibt so viele Wege zur Erleuchtung wie es Menschen gibt“, heißt es. Einen der sicherlich ungewöhnlichsten Wege – von der Drag Queen zum Zenabt – ging Issan Dorsey. Dessen Lebensgeschichte ist in dem neu aufgelegten Buch „Street Zen“ von seinem besten Freund Tensho David Schneider aufgeschrieben, der Issan bis zu seinem von Aids verursachten Tod im Jahre 1990 begleitete.
Das Buch ist nicht nur eine spannend zu lesende Biografie über den Lebensweg eines außergewöhnlichen Menschen, sondern zugleich auch ein detailreiches Zeitdokument, das die Gründung der ersten Zenzentren in den USA unter Suzuki Roshi und Richard Baker Roshi beschreibt und damit interessante Einblicke in deren Leben und Wirken gibt.
Doch wie kommt eine so exotische und schillernde Gestalt wie Issan Dorsey, der sich selbst als „Schwuchtel, Transe und Speed-Freak“ beschrieb, dazu, Zenabt zu werden? Wie gelangte dieser von ungezügelter Lebenslust getriebene Mann, der es liebte, im Fummel aufzutreten, schließlich in die strenge Zenrobe? Und wie kam es dazu, dass dieser durch seinen exzessiven Lebensstil, von Drogen und Alkohol fast zerstörte Stricher der Schwulenszene von Suzuki Roshi zum Zenkoch, von dessen Nachfolger Richard Baker Roshi zum Zenmeister ernannt und schließlich von Bernie Glassman Roshi als wahrer Bodhisattva des Mitgefühls geehrt wurde?
Die Lebensgeschichte von Issan Dorsey macht eindrücklich deutlich, dass Zen nicht nur der reine und spirituelle Teil des Lebens ist, sondern das ganze Leben mit all seinen vielfältigen Facetten und Aspekten. Es gibt kaum ein Buch, das die Essenz von Zen so klar extrahiert: Zen ist einfach alles. Zen ist das stille Leben des Mönchs im Kloster ebenso wie das schrille Leben der Drag-Queen auf den Straßen New Yorks. Zen ist ein Leben ohne Grenzen; die Erkenntnis, dass alle Aspekte menschlichen Lebens zutiefst miteinander verbunden sind. Das ist es, was Issan Dorsey Roshi den Menschen vorgelebt hat und das ist es, was dieses Buch zu einer besonders lesenswerten Erfahrung macht.


 

David Schneider: STREET ZEN. Leben und Wirken des Issan Dorsey

Rezension von Christoph Roethel

Ein Freund hatte mir „Street Zen“, noch unter dem alten Titel „In Tau gekleidet“, geschenkt, wahrscheinlich nicht ahnend, was die Lektüre bei mir auslösen würde.
Zwar bin ich nicht schwul, doch mein Leben, ganz ähnlich dem Tommy Dorsey’s, hatte über viele Jahre eine zunehmend rasante Fahrt „nach unten“ aufgenommen. In meinem Fall war es der Alkohol (mit der progressiven Selbstzerstörung natürlich einhergehend die ganze Palette angefangen mit Selbstbetrug, Untreue, Verzweiflung, Verleugnung, bis hin zu Selbstmitleid, Groll und chronischer Angst), aus dessen Würgegriff mich zu befreien mir ganz und gar unmöglich erschienen war.
Als gar nichts mehr ging (meine Anstellung als Theaterregisseur, sowie alles Vertrauen meiner Freunde und meiner engsten Familie hatte ich längst verspielt) und meine damalige Freundin, heute meine Frau, entschlossen war, mich in die Psychiatrie einzuweisen, fand ich den Weg zu den Anonymen Alkoholikern. Ich brauchte ziemlich lange, zu begreifen, dass meine einzige Rettung in dem Schlüsselwort C. G. Jungs Spiritus contra Spiritum (Wahre Spiritualität gegen den Schnaps – „Sprit“ – einzusetzen) verborgen lag:
Seit fünfzehn Jahren praktiziere ich nun Rinzai-Zen (wenn man so will auch immer noch den 11. Schritt der Anonymen Alkoholiker) unter der Zen-Meisterin Jiun Hogen Roshi und führe inzwischen ein Leben, in dem Dankbarkeit, Mitgefühl und Achtsamkeit die Paradigmen sind, nach denen ich täglich versuche, es auszurichten.
Als ich die Interviews, die der junge David Schneider mit dem bereits an Aids erkrankten Issan Dorsey Roshi, dem Abt des San Francisco Zencenter, geführt hatte, las, erkannte ich in Issan sogleich einen „Bruder“. Einen Bruder im Leid als auch einen Bruder im Geiste. Ich war tief bewegt von der radikalen Aufrichtigkeit, mit der Issan Roshi sein Drag-Queen- und Drogen-Leben offenbarte und gleichzeitig erstaunte und berührte mich, dass er kein Wort des Bedauerns oder der Reue darüber verlor: Licht und Schatten, Samsare und Nirwana sind keine Gegensätze! Die Unterscheidung von Gut und Böse ist eine Illusion. Nie war mir diese buddhistische Weisheit so eindeutig, in Leben und praktisches Handeln umgesetzt, begegnet. Sofort entstand in mir der Gedanke, die Biografie des Issan Dorsey Roshi sei die ideale Botschaft für all diejenigen Mitmenschen, die so verzweifelt darum kämpfen, sich von einer Sucht zu befreien oder so tief darin stecken, dass sie noch nicht einmal das mehr wollen. Aber so dramatisch muss es gar nicht sein. Im Grunde genommen sind wir Menschen alle davon betroffen; denn hängen wir nicht allesamt, jeder auf seine Weise „süchtig“ an unserem Ich (Ego)? Aber, lautet Issans Botschaft: FÜR UMKEHR IST ES NIE ZU SCHLIMM UND NIE ZU SPÄT!
Es bedurfte dann nur noch des berühmten Zufalls, bis sich der Gedanke zur Idee formte, nämlich der, aus Street Zen ein Theaterstück zu machen und dieses sich dann mit einem ebenfalls trockenen und cleanen Alkohol- und drogenabhängigen Schauspieler und engem Freund nach schließlich drei Jahren Entwicklungsarbeit auf der Bühne (POLITTBUEREAU, HAMBURG, 28.05.2009) manifestierte. Ausdrücklich möchte ich an dieser Stelle David Schneider meinen tief empfundenen Dank dafür aussprechen, dass er mit der Dramatisierung einverstanden war und alle Höhen und Tiefen dieses Projektes mit vorbildhaft-buddhistischer Gelassenheit und unerschütterlichem Vertrauen in zwei Exalkoholiker begleitet hat.
P.S. Der Text des Theaterstückes ist geschrieben von Rita Dieter Scholl und Karl Maslo. Die Rechte liegen beim Pegler-Theaterverlag in München (www.pegler-verlag.de) Mehr über die Aufführung unter: www.karl-maslo.info

 

Fred von Allmen: Mit Buddhas Augen sehen. Buddhistische Meditation und Praxis

Eine Rezension von Peter Riedl

Fred von Allmen ist ein buddhistischer Lehrer, der seit vielen Jahren eine sehr vielseitige spirituelle Ausbildung durchlaufen hat. und bei zahlreichen bedeutenden Lehrern (Lama Geshe Rabten, Sri S. N. Goenka, Joseph Goldstein, Jack Kornfield, Christopher Titmuss u. a.) in verschiedenen Traditionen praktiziert hat. Dadurch ist er einerseits zu einer sehr offenen und toleranten Einstellung gegenüber allen buddhistischen Richtungen gelangt und lehrt andererseits selbst innerhalb der Praxisformen des Theravada und der tibetischen Mahayana-Tradition einen offenen und für Menschen des Westens gut zugänglichen Buddhismus.
Nach seinem ersten Buch „Die Freiheit entdecken“ hat er die Erkenntnisse seiner langjährigen Praxis und Lehrtätigkeit in diesem Buch zusammengefasst. Nach einer einleitenden Beschreibung von richtigen und falschen Annahmen über den Buddhismus (Mythen und Fakten) geht er an immer tiefere Bereiche der spirituellen Praxis, ähnlich wie einer seiner Lehrer, Jack Kornfield, schreibt er in einer einfachen, gut verständlichen Sprache und mischt auch immer wieder Anekdoten und spirituelle Geschichten aus anderen Religionen in den Text ein.
Wesentlich ist seine unmittelbare und klare Sichtweise der Dinge. Das macht sich zum Beispiel im vorletzten Kapitel über „Spirituelle Lehrerinnen und Lehrer im Westen“ bemerkbar. Nach der ersten großen Welle der unkritischen Lehrerverehrung tun sich allerorten Schwierigkeiten und Fragen auf. Er geht darauf ein, beschreibt Lehrer als Menschen mit Fehlern und Vorzügen und erklärt gekonnt die Bedeutung einer derart realistischen Betrachtungsweise für die eigene Praxis und Entwicklung. Immer wieder wird der Bezug der spirituellen Praxis zum Leben dargestellt.
So ist sein Buch wirklich wertvoll und empfehlenswert nicht nur für Neueinsteiger, sondern auch für alle schon länger Praktizierenden, die nicht so sehr eine trockene buddhologische Abhandlung, sondern eine aus dem Herzen kommende Darstellung des buddhistischen Weges lesen wollen.

 

Fred von Allmen: Mit Buddhas Augen sehen. Buddhistische Meditation und Praxis

Eine Rezension von Paul Köppler

Das zweite Buch des bekannten Meditationslehrers ist aus zwei Gründen außergewöhnlich. Zum einen, weil es der spirituellen Schulung des Autors entsprechend eine Syn¬these zwischen verschiedenen buddhistischen Richtungen schafft, und zum anderen, weil es jenseits buddhistischer Lehren allgemein verständliche Vorschläge gibt für ein spirituell ausgerichtetes Leben im Westen. In leichter Weise werden hier die wichtigsten Fragen angesprochen und tiefgründig behandelt, denen ein westlicher Schüler auf seinem Weg begegnet. Hier wird nicht eine weitere Theorie des Buddhismus gegeben, sondern offen und mit Selbstkritik über brennende Fragen gesprochen, zum Bei¬spiel, wie man mit schwierigen Emotionen umgehen soll, wie man mit Vergänglichkeit und Tod arbeitet, welche Rolle ethisches Verhalten spielt, wie wir die Praxis als Feier erleben können oder wie wir zum Wohl aller Lebe¬wesen handeln können. Ein zentrales Kapitel ist der Frage Lehrer-Schüler gewidmet, und unter „Bodhisattvas am Werk“ werden bedeutende zeit¬genössische Lehrer wie Mahaghosananda und Thich Nhat Hanh, aber auch die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi oder der Dalai Lama vorgestellt.
Besonders dankbar erlebt man bei der Lektüre, dass selbst schwierige Themen – wie zum Beispiel die unmittelbare Erkenntnis – niemals trocken dargestellt, sondern immer mit vielen lebendigen Beispielen und zahlreichen Geschichten aus Gegenwart und Vergangenheit illustriert werden. Ebenso erfreulich sind die kurzen Schilderungen eigener Erlebnisse, die gut ausgewählten Zitate und Gedichte und die wenigen, aber sehr treffenden prakti¬schen Übungsanleitungen.
So vermag dieses Buch zwei Aufgaben zu erfüllen, die viele versprechen, aber nur wenige leisten: nämlich glei¬chermaßen für Einsteiger wie auch für Kenner des budd¬histischen Weges eine Bereicherung zu sein. Einsteiger werden hier auf fast mühelose Weise ein gutes Fundament für ihren eigenen Weg erhalten, und für Kenner eröffnen sich im oft Gehörten durch die geschickte Darstellung immer wieder neue Aspekte und wichtige Ergänzungen ihres Wissens.

 


Karl-Heinz Brodbeck: Buddhistische Wirtschafsethik. Eine Einführung

Eine Rezension von Anna Pesch

„Alternativlos“ ist kürzlich zum Unwort des Jahres 2010 gekürt worden. Verwendet wurde es oft und gern von der Kanzlerin im Zusammenhang mit den Rettungsschirmen aus Milliarden Euro für marode Banken und bankrotte Staaten. Dass es durchaus Alternativen gibt, davon zeugt das nun in einer erweiterten und aktualisierten Ausgabe erschienene verständlich geschriebene Buch von Karl-Heinz Brodbeck zu einer buddhistischen Wirtschaftsethik. Selbst in Wirtschaftskreisen dämmert allmählich die Einsicht, dass Gier und Egoismus als vorrangige Triebfedern wirtschaftlichen Handelns leicht zu Totengräbern unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts werden können und wir dringend ein individuelles wie kollektives Umdenken brauchen. Eine buddhistisch inspirierte Wirtschaftsethik bietet überzeugende Perspektiven für eine solche Neuorientierung an.

 


Stephen Batchelor: Nagarjuna - Verse aus der Mitte. Eine buddhistische Vision des Lebens

Eine Rezension von Anna Pesch

„Nagarjuna – Verse aus der Mitte“ ist der in meinen Augen sehr gelungene Versuch, das Hauptwerk dieses großen indischen Weisheitslehrers so in eine westliche Sprache zu übertragen, dass die Worte und Bilder uns die Welten und Imaginationsräume eröffnen, die Nagarjuna in seinen Versen vor fast 2000 Jahren in einer ganz anderen Kultur vorschwebten. Batchelor geht es in diesem Buch darum, Nagarjunas Einsichten lebendig werden zu lassen für alle, die auch heute noch die Frage beschäftigt, wie man ein freies, waches Leben führen kann. Eine deutsche Ausgabe erschien 2002. Nun hat die edition steinrich das Buch erneut herausgebracht, dankenswerter Weise aber in einer entscheidend erweiterten Fassung. Erstmals enthält die Buchausgabe neben einer Umschrift des tibetischen Textes auch eine wörtliche Übersetzung der Verse. Dadurch wird für die Leser zum ersten Mal das Spannungsfeld zwischen Original und poetischer Bearbeitung deutlich und es wird die große poetische Kraft Batchelors spürbar, durch die die Verse Nagarjunas jenen Hauch der Moderne erhielten, der die Lektüre zu einem solchen Genuss macht. Sie sind wie Zen-Koans zu lesen, die unsere Ansichten über uns selbst und die Welt nachdrücklich in Frage stellen. Ein einführender Essay Batchelors über Intuitionen des Erhabenen erläutert in brillanter Weise die Philosophie Nagarjunas und ihre bis heute reichende Aktualität.

 

Bernard  Glassman: Anweisungen für den Koch. Lebensentwurf eines Zen-Meisters

Eine Rezension von Hans Durrer

Es gibt Bücher, die will man, kaum hat man ein paar wenige Seiten gelesen, unverzüglich weiterempfehlen. Dazu gehört Bernard Glassmans Anweisungen für den Koch. Weil man da so wunderbar nützliche Sätze findet wie etwa diesen: „Der wahre Zen-Koch benutzt, was vorhanden ist, und macht das Bestmögliche daraus, statt sich darüber zu beklagen, was er alles nicht hat, oder dies als Entschuldigung dafür anzuführen, dass das Resultat seiner Bemühungen so kläglich ausgefallen ist.“ Hinzuzufügen wäre höchstens, dass man dafür so recht eigentlich nicht unbedingt ein Zen-Koch zu sein braucht – jeder gute Koch tut das.
„Nothing special“ hat Charlotte Joko Beck eines ihrer Bücher über Zen genannt. Das gilt auch für die „Anweisungen für den Koch“. Eigenartigerweise macht genau dieses „nothing special“ diese Anweisungen speziell – weil wir nämlich immer nach dem Aussergewöhnlichen suchen und wer sucht, der macht, so Krishnamurti, bestenfalls einen Schaufensterbummel ...
Dass sich der Autor dabei besonders gut auszudrücken weiss (oder liegt es an der Übersetzung?), kann man allerdings nicht sagen:
„Ich wollte mein Verständnis von Zen als Leben darzulegen („darlegen“, sollte das wohl heissen), so wie es auch mein Lehrer Maezumi Roshi immer gelehrt hatte, ein Leben, bei dem wir zu allen Zeiten aufgerufen sind, voll zu leben, und unsere Praxis darin besteht, das Glas, das immer wieder schmutzig wird, zu putzen, statt es nicht zu benutzen, und in dem wir unsere Klarheit von der Einheit des Lebens durch unser tägliches Handeln manifestieren.“
Wesentlich besser drückt er es hier aus: „Der Vorgang des Reinigens verändert den Koch ebenso wie die Räume, die gereinigt werden, und die Menschen, die in diese Räume kommen – das gilt für eine Meditationshalle wie für ein Wohnzimmer, eine Küche und ein Büro. Deshalb spielen in Zen-Klöstern Reinigungsarbeiten eine so wichtige Rolle. Dabei ist unwichtig, ob etwas unserer Meinung nach schmutzig oder sauber ist. Wir reinigen einfach alles.“ Der Grund: wer die Küche reinigt, reinigt den Geist.
Die „Anweisungen für den Koch“ postulieren, sich auf die Realität, auf das Hier und Jetzt, einzulassen. Und dazu finden sich in diesem Buch, ausgehend von dem zentralen Prinzip, dass alles miteinander verbunden ist und nichts völlig unabhängig existiert, viele praktische Anregungen. Wie man mit der Bürokratie umgehen soll, zum Beispiel. Oder wie wir durch Angst lernen können. Keine abgehobene Esoterik also, sondern am Realen ausgerichtete praktische Lebenshilfe. „Es ist ungeheuer wichtig, dass wir aus dem spirituellen Bereich immer wieder in die gewöhnliche Welt zurückkehren und darin arbeiten.“ Und das tut man, indem man sich mit den Details beschäftigt, von denen Maezumi Roshi einmal gesagt hat: „Es gibt nichts anderes als Details.“ Ein andermal hat er es so formuliert: „Kleinigkeiten sind nicht klein.“
Wesentlich ist: „Warte nicht, bis du erleuchtet bist.“ Und dies meint: Nicht der Experte ist gefragt im Zen, sondern der Anfänger, denn nur der, der noch nicht allzuviel weiss beziehungsweise viel Wissen angehäuft hat, ist fähig, die Dinge zu sehen, wie sie sind.
„Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass wir irgendwann einmal keine Probleme haben werden. Erst wenn uns dies gelungen ist, können wir uns mit den wirklich wichtigen Fragen unseres Lebens beschäftigen.“
Was einem dieses Buches unter anderem auch klar macht, ist, dass Zen, wie es Glassman versteht, „sich in vielem an der amerikanischen katholischen Arbeiterbewegung“ orientiert und damit ganz wesentlich soziale Praxis ist. Und die ist schwierig: „Ein Zen-Schüler, der Reiche ablehnt, leidet unter dem gleichen Problem wie ein Reicher, der den Zen-Schüler ablehnt“, behauptet Glassman. Wirklich? Wer bereit ist, sich mit solchen Argumenten auseinanderzusetzen, ist mit diesem Buch bestens bedient.
Summa summarum: eine bereichernde und hilfreiche Lektüre.